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Tummo

in Sonstige Fertigkeiten 19.12.2015 21:11
von Vrooktar • 1.455 Beiträge

Tummo bezeichnet eine spezielle Meditationstechnik, die einen befähigen kann, die eigene Körpertemperatur willentlich zu erhöhen. Davon, was man damit alles anstellen kann, wie die Technik funktioniert und wie man sie sich aneignen kann, handelt dieser Abschnitt.


Befähigte Lehrer: Vrooktar


Grundlagen
Wie genau Tummo funktioniert kann die Wissenschaft, da es bisher nur wenige Studien gab, die sich darauf konzentriert haben zu untersuchen ob der Effekt unter wissenschaftlichen Bedingungen überhaupt nachweisbar ist (was problemlos gelungen ist), bislang nicht beantworten.
Die Wärme die der praktizierende aufbaut und an seine Umwelt abgibt wird vermutlich aus dem menschlichen Stoffwechsel gezogen, den zu kontrollieren irgendwie erlernt wurde. Genau weiß das aber momentan niemand.
Sieht man sich die absoluten Extremfälle an, so besitzen die Praktizierenden hier die Fähigkeit, in absoluter Ruheposition, ihre Körpertemperatur auf mehr als 38°C zu erhöhen und auch unter widrigsten Umwelteinflüssen (geringe Außentemperatur, nasse Kleidung) zu halten.
Auch sind sie dazu fähig gezielt nur bestimmte Stellen des Körpers willentlich zu erwärmen.
Meist wird die läuternde, den Geist reinigende, Wirkung der Meditation betont, offensichtlicherer pragmatischer Nutzen besteht darin, dass man durch Tummo die Fertigkeit erlangen kann, kaltes Wetter in unseren Breiten praktisch zu ignorieren.
Es soll auch positive Wirkung für die Immunabwehr haben, was angesichts dessen, dass Tummo gewissermaßen den Fieberzustand imitiert, der ein natürlicher Abwehrmechanismus des Körpers ist, plausibel erscheint, bislang wurden dazu aber keine vernünftigen Untersuchungen durchgeführt.

Populärer Anwender des Tummo ist Wim Hof, der durch diverse Kälterekorde von sich reden machte.



Vorwort
Zu allererst muss ich erwähnen, dass ich starken Bezug auf mich selbst nehmen muss. Ich habe mich in meinen Übungen stark an den Anleitungen zum Tummo orientiert, die man öffentlich finden kann, habe es mir im Kern aber autodidaktisch aneignen müssen.
Zum Zeitpunkt, da ich diese Zeilen schreibe habe ich etwas mehr als ein Jahr Erfahrung im Tummo und habe dabei auch unterschiedliche Ansätze ausprobiert und Experimente hinter mir. Es gibt Ansätze mit denen ich erfolgreicher war und solche, bei denen ich irgendwann nicht spürbar weiterkam. Dennoch kann es gut sein, dass Ansätze die bei mir nur mittelmäßig funktioniert haben für andere genau das richtige sind oder umgekehrt. Ich werde alle diese Erfahrungen teilen und dazu einige Gedanken aufbringen, damit jeder der sich dafür interessiert diese Fertigkeit ebenfalls zu kultivieren, dafür eine passable Grundlage hat.


Erlernen der Technik
Wichtige Basis für das Tummo ist die Atmung. Es gibt grundsätzlich mehrere Techniken. Manche beinhalten für bestimmte Zeiträume die Luft anzuhalten oder nach dem Ausatmen bis zur äußersten CO₂ Anreicherung des Blutes mit dem einatmen zu warten.
Ich habe mich für die Technik entschieden, mit der ich einer normalen Atmung am nächsten bin, da ich Tummo nicht nur zur Meditation oder als Experiment anwenden möchte, sondern auch im Alltag, wo ich keine abenteuerlichen Spielereien praktizieren will.
Die Atemtechnik besteht darin langsam, bedächtig und dabei nicht zu tief einzuatmen und beim ausatmen ganz langsam, unter geringer, aber spürbarer Zwerchfellspannung in einem einzigen ruhigen Strom wieder auszuatmen. Wie wir es aus der Meditation kennen warte ich dabei nach entleerter Lunge auch gern einige Momente bevor ich wieder einatme. Bei geöffnetem Mund ist das am Anfang leichter, später habe ich begonnen dabei durch die Nase zu atmen, um die Technik für den Alltag unauffälliger zu machen.

Zweites sehr wichtiges Element des Tummo ist die Visualisierung. Das heißt man stellt sich etwas sehr konkretes meditativ vor, während man wie oben beschrieben atmet. Visualisierung ist dabei ein wenig zu schwach ausgedrückt, da man es sich nicht nur bildhaft, sondern auch körperlich spürbar vorstellen muss. Was genau man sich nun konkret vorstellt kann sehr unterschiedlich sein.
Die für mich einfachste Technik bestand darin mir vorzustellen, wie eine warme Flamme meine komplette Wirbelsäule umzüngelt, das war also meine erste Übung.

Ich für meinen Teil fand es extrem hilfreich bei kalten Temperaturen mit wenig Kleidung zu üben, da ich auf diese Weise sofort den Effekt spürte, wenn es funktionierte. Dabei habe ich mich nicht einfach bei viel zu kalten Temperaturen in die Kälte gesetzt, sondern ich habe am Rand meines Toleranzbereiches (etwa 9°C), bei dem ich im Normalfall noch nicht friere, auf dem Weg zur Arbeit (beinhaltet bei mir einen etwa 10 minütigen Fußweg) geübt. Nach einigen Tagen merkte ich langsam, dass mein Toleranzfeld sich in Richtung tiefere Temperaturen verschob, sofern ich Tummo übte. Durch normale Gewöhnung an den Winter (Ich begann mein Training im September) wanderte meine gewöhnliche Toleranzgrenze auf 7°C, während ich Tummo praktizierte fühlte ich mich nach etwa zwei Monaten Übung auch noch bei 3°C wohl. An diesem Punkt begann ich gezielt Tummo zu üben, wenn es ein wenig zu kalt war oder hörte auf, wenn eisiger Wind oder Regen nachließ und ich mich wieder wärmer fühlte. Das verlieh mir das Gefühl, dass ich es nach dieser Zeit recht gut im Griff hatte.

Nachdem ich mir einige Wochen die "brennende Wirbelsäule" vorgestellt hatte und damit gute Erfahrungen gemacht hatte, begann ich andere Visualisierungen auszuprobieren. Sich beständig etwas so lebendiges und impulsives wie eine brennende Flamme, mitsamt dazugehörigen Empfindungen vorzustellen kostet einiges an Konzentration. Mein Ziel war es eine Visualisierung zu finden, die mich weniger Aufmerksamkeit kostete und die ich beiläufiger umsetzen konnte, wieder im Hinblick auf die Alltagsanwendung.

Als zweites begann ich die Visualisierung der "Kerze im Ballon".
Dabei stellt man sich vor, wie sich in der Nähe des Bauchnabels (Hara) im Körperinneren eine wärmende Kerze befindet, die, als wäre der Körper hohl, mit ihrer Wärme direkt die Hautoberfläche bestrahlt. Damit habe ich sehr gute Erfahrungen gemacht und auch sofort den Eindruck gewonnen, dass diese Technik für mich effektiver ist als die vorige, wobei sie mir gleichzeitig weniger Konzentrationsfähigkeit abverlangte.

Als drittes begann ich mir dann so etwas wie eine "Chi-Konzentration" vorzustellen. Dafür stellt man sich vor, dass das Chi (oder die Macht so man will), das durch den Körper fließt, im Hara (Bauchnabel) zusammenfließt, wo durch die Verdichtung und Konzentration der Energie Wärme entsteht, die in den restlichen Körper abstrahlt. Bei dieser Übung begann ich mir so etwas wie einen "Zyklus" vorzustellen, der an meine Atmung gekoppelt war. Wenn ich ausatmete verdichtete sich das Chi und ich stellte mir die Wärme vor, die davon ausging. Wenn ich einatmete floss sie zurück in alle Glieder meines Körpers. Auch damit habe ich gute Erfahrung gemacht, hatte aber nicht den Eindruck, dass sie weniger Konzentration erforderte als die "Kerze im Ballon".

Als viertes begann ich die "warme Aura" zu visualisieren. Dabei konzentrierte ich mich nur noch darauf, dass mich die ganze Zeit eine warme Aura umgab, die von mir selbst ausging. Diese Technik war für mich nach einigen Tagen der Übung mit sehr wenig Konzentrationstätigkeit umsetzbar, was sie für mich zu einer Art Favorit macht. Ich hatte aber das Gefühl, dass ich mit dieser Technik nicht die Effektivität anderer Übungen erreichte.

Als fünftes visualisierte ich die "glühende Haut". Dabei stellte ich mir vor, wie meine Haut extrem warm wird und eine immense Wärmestrahlung an die Umgebung abgibt. Diese Technik war von der Konzentrationserfordernis passabel und ihr Effekt stand keiner der anderen Techniken in irgendetwas nach.

Bis zum heutigen Tag arbeite ich daran andere Visualisierungen zu erproben, die noch leichter durchzuführen sind und/oder größere Effekte erkennen lassen. Man muss aber dazu sagen, dass die Technik die ich bisher als die für mich effektivste erachte, nicht unbedingt so gut funktioniert hätte, wenn ich sie als erstes praktiziert hätte. Ich habe das Gefühl, dass die "brennende Wirbelsäule" am Anfang genau das richtige für mich war, eben weil sie so viel meiner Konzentration an sich band. Vielleicht war gerade diese volle Konzentration am Anfang wichtig und hat meine Wahrnehmung erst in dem Maße geschult, dass ich später zu Techniken übergehen konnte, die weniger Konzentration erfordern.
Vielleicht war meine "warme Aura" noch nicht so effektiv, weil mein Tummo noch nicht gut genug war, um mit so wenig Konzentrationsaufwand immer noch voll zu funktionieren?
Auch ist bislang unklar, ob die Techniken wie ich sie erprobt habe auf andere genau die gleichen Effekte haben.
Ich kann nur empfehlen aus meinen Erfahrungswerten zu lernen und dann offenen Geistes seine eigenen Erfahrungen zu machen und zu erproben was für einen selbst das richtige ist.
Bis wir Erfahrungen von mehr Mitgliedern zusammenstellen können, kann das hier nur als Leitfaden gelten.


Fortschritte
Abschließend möchte ich nur noch sagen, dass das Tummo eine Technik ist, die meiner Erfahrung nach mehr Zeit erfordert, als andere Techniken. Normale Meditation hat man bei regelmäßiger Übung relativ schnell im Griff, das Tummo hat dabei für mich mindestens doppelt so lange gedauert bis ich die gleiche Sicherheit darin hatte.
Nach längerer Praxis kann man auch anfangen die Effekte am eigenen Körper zu messen.
Auf diese Weise kann man sich ganz gut vergewissern, dass die Effekte real sind und man sich das ganze nicht nur einbildet.
Was das angeht darf man aber keine astronomischen Messergebnisse erwarten. Bei mir war es etwa ein halbes Grad Celsius Erhöhung der Körpertemperatur, das ich nach etwa einem Jahr mit einigen Minuten der Praxis erreichen konnte. Doch auch solche scheinbar "kleinen" Ergebnisse sollte man nicht geringschätzen. Um beispielsweise meinen Körper um 0,5°C zu erwärmen sind etwa 301kJ Energie erforderlich. Das ist mehr als das 200fache der Energie die eine .44 Magnum ihrem Projektil mit auf den Weg gibt oder genug Energie um 3 Tassen Kaffee zu kochen und dazu 6 Toasts zu toasten.

In diesem Sinne: Haut rein!


Lerne das unbeherrschbare zu vermeiden und das unvermeidbare zu beherrschen.

zuletzt bearbeitet 19.12.2015 21:18 | nach oben springen

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