#26

RE: Einen Orden lokal ausbauen

in Diskussionen 22.12.2017 09:08
von Vrooktar • 1.743 Beiträge

Zitat von Auros Tyron im Beitrag #25

Wie bereits erwähnt war das eher abstrakt formuliert von mir, noch ohne konkreten Bezug auf einen Orden. Im wesentlichen unterscheidet sich ein Orden aber nicht von einem Gesangsverein in vielen Dingen... Fühlt man sich unwohl oder findet einen "besseren" Weg für sich selbst, so verlässt man die Gruppe/den Orden manchmal schnell und manchmal erst nach Jahren.



Da ich es mir nicht so wirklich vorstellen konnte, dass Leute die in etwas ernsthaftes integriert sind wie einen Orden, so schnell wieder gehen habe ich die Gelegenheit genutzt zu dem Thema zu recherchieren.
Dazu Daten zu finden ist gar nicht so einfach, meist findet man nur Brocken, aber in den letzten Jahren hat es sich wohl so "eingebürgert", dass die katholischen Orden pro Jahr zwischen 0,1 und 0,6% ihrer Ordensmitglieder durch Austritte verlieren. Als Gründe werden bei Männern wohl vorwiegend das Zölibat, bei Frauen das fehlende Recht auf die Priesterweihe angeführt.
Ich denke das verdeutlicht durchaus, dass ein stabiler Orden nicht die Schwierigkeiten hat Leute zu halten, wie sie eine losere Gruppe haben könnte, aber auch, dass Austritte vorkommen.
Wenn ich meine eigenen Erfahrungen zurate ziehen müsste würde ich sagen, dass Austritte zu 99% die Folge von Veränderungen sind.
So fielen praktisch alle Austritte die es bei uns gab in den Prozess der Gründung hinein, als Regeln, der Kodex, die Struktur und sonst einfach alles in stetiger teilweise drastischer Veränderung inbegriffen war. Ich denke das sind Austritte die man gar nicht verhindern sollte. Wenn sich jemand durch eine veränderte Struktur nicht mehr repräsentiert fühlt dann hilft es auch nicht zu versuchen die Sollbruchstelle zu kitten.
Ein Beispiel das du Auros vielleicht persönlich kennst ist Mek Alenes. Er hat damals bei seinem Austritt erklärt der Orden ginge ihm mittlerweile in eine zu ernsthafte Richtung. Ich denke so etwas muss man halt respektieren. Auch wenn es sicher Wege gegeben hätte ihn zu halten hätte das am Ende doch niemanden glücklich gemacht.
Ein anderer Quell für Veränderung kann das Mitglied selbst sein. Dinge die früher vielleicht mal als gut oder zumindest akzeptabel empfunden wurden lasten dann später auf dem Verhältnis zur Gemeinschaft. Da fällt mir jetzt kein jediistisches Beispiel ein, aber ich kenne Mitglieder traditioneller Kampfkunstvereine die die sehr stark ausgeprägten Hierarchien zu Beginn ihrer Laufzeit als stabilitätsgebend, später als sie selber in die Hierarchie vorstießen, nur noch als bremsend, unbeweglich und sinnlose Selbstbeweihräucherung empfanden.
Das sind ehrlich gesagt auch die einzige Beispiele die ich kenne in denen langjährige Mitglieder ihre Vereine verlassen haben merk ich gerade.

Alles in allem sehe ich es nicht als Aufgabe des Ordens Austritte zu "verhindern".
Es gibt Austritte die sind gut begründet und sinnvoll.
Da ist es besser sich in Würde zu verabschieden.
Aber natürlich sollte jede Gruppierung vermeiden, dass sie Mitglieder durch schlechte Organisation oder andere Defizite verliert.
In einem marktwirtschaftlichen Unternehmen könnte man da den Austretenden anonyme Fragebögen ausgeben, um Defizite zu evaluieren ^^


Zitat
Das sehen sich die "großen" Religionen auch nicht. Trotzdem muss man ja irgendwie in der großen weiten Welt bestehen. Flyer kosten Geld, Gespräche kosten Zeit. Dass Geld und Zeit nunmal sehr beschränkt sind macht einen effizienten Umgang mit beidem notwendig. Persönlich investiere ich Ressourcen in Dinge, aus welchen ich in irgendeiner Weise auch Profit für mich oder andere ziehe. Dieser Profit ist nicht gleichzusetzen mit materiellem Gewinn ;)



Weiß nicht ich investiere den Aufwand, den ich eben investieren kann. Bislang ist mir das nicht über den Kopf gewachsen, aber man muss auch sagen, dass wir da ja beim besten Willen keine Babysitter sind. Wenn jemand Hilfe braucht oder Fragen hat bin ich zur Stelle, wenn bei einem Treffen jemand vorbei kommt der mitmachen will, immer gerne, bremsen würde ich das erst dann, wenn es zulasten anderer Dinge geht. Ich denke Ryia nimmt es mir nicht übel, wenn ich sie als Beispiel für jemanden anbringe in den ich bislang überproportional viel Aufwand investiert habe. Aber das mache ich nicht deshalb, weil ich mir von ihr besonders hohen Profit verspreche, sondern weil sie mir signalisiert, dass ihr das eben hilft. Soweit ich auch das Gefühl habe, dass es ihr hilft ist für mich zweitrangig ob das nun innerhalb des Ordens ist oder nicht.
Ich habe ja auch schon genug Mitglieder des ooh unterrichtet von denen ich mir sicher war, dass sie uns niemals beitreten würden.


Zitat
Das Thema "Zielgruppe" ist ja auch ein ganz eigenes. Auch wenn ich Stereotypen vermeiden möchte, so glaube ich in verschiedenen Gesellschaftsschichten oder auch Regionen unterschiedliche Qualität von Motivation und Engagement "für die Sache" zu finden. Man könnte sagen, bei einigen Leuten "lohnt" es nicht Zeit zu investieren obwohl sie vielleicht interessiert sind und sich anfangs auch bemühen. Man kann das aber auch als Herausforderung ansehen, diesen Leuten auf die Sprünge zu helfen. Da muss man einfach abwägen, was man sich denn als Orden sowie auch als Einzelperson "leisten" kann und was eben nicht. Ich denke nichts ist frustrierender als ständig neu anfangen zu müssen weil "gute" Leute Leute sich abwenden und lieber wieder ihren eigenen Weg gehen statt den Orden zu unterstützen.



Ich kann mir viele Szenarien vorstellen in denen das so ist.
Da denke ich nur mal an Kanthart, der mittlerweile 5.Dan im Kendo ist und auf unserem Treffen damals sagte: "Von 100 Leuten die zum Probetraining kommen ist nur einer dabei, den du in die Rüstung bekommst."
Zu einem gewissen Grad ist das auch normal. Man weiß wenn man sich wo anmeldet einfach noch nicht ob das zu einem passt oder nicht.
Ich weiß auch nicht ob es so gut wäre diese Neulinge so schnell wie möglich zu integrieren und mit Aufmerksamkeit zu überhäufen um zu versuchen sie zu halten. Ich sehe alle Neumitglieder als trockenes Saatgut das erstmal weder gut noch schlecht ist. Wir gießen es bloß ein wenig und warten ab was rauskommt. Die Antwort darauf sieht doch so aus, dass zu Anfang keiner von ihnen "gut" ist und mit der nötigen Hingabe jeder von ihnen einer der besten sein wird.
Gäbe es diese Entwicklung nicht bräuchten wir den Orden auch nicht.
Diese Entwicklung will man dann für sich eben oder man lässt es bleiben.
Ich bin davon überzeugt, dass jeder mit dem nötigen Willen zur Koryphäe werden kann. Aber die Entscheidung den Weg einzuschlagen muss schon aus jedem selbst kommen.


Lerne das unbeherrschbare zu vermeiden und das unvermeidbare zu beherrschen.

zuletzt bearbeitet 22.12.2017 09:12 | nach oben springen

#27

RE: Einen Orden lokal ausbauen

in Diskussionen 22.12.2017 10:42
von Auros Tyron • 12 Beiträge

Zitat
Ich denke das verdeutlicht durchaus, dass ein stabiler Orden nicht die Schwierigkeiten hat Leute zu halten, wie sie eine losere Gruppe haben könnte, aber auch, dass Austritte vorkommen.


Das sind wirklich interessante Daten. Wenn der Orden lokal etabliert ist wird sich das sicher auch hier so einpendeln.

Zitat
So fielen praktisch alle Austritte die es bei uns gab in den Prozess der Gründung hinein, als Regeln, der Kodex, die Struktur und sonst einfach alles in stetiger teilweise drastischer Veränderung inbegriffen war. Ich denke das sind Austritte die man gar nicht verhindern sollte.


Austritte kann man nicht verhindern. Ich denke ich kann dir bisher ganz gut folgen und auch Recht geben. Wenn der Orden lokal die Installationsphase überwunden hat wird es auch gut laufen und die Leute bleiben von ganz allein am Ball.

Zitat
Aber natürlich sollte jede Gruppierung vermeiden, dass sie Mitglieder durch schlechte Organisation oder andere Defizite verliert.


Ich bin da in mehreren Gruppierungen schon drüber gestolpert. Natürlich hat die Führung keine Fehler gemacht, und wenn dann waren es immer Leute die die Gruppe verlassen haben. Menschen können echt eklig sein.

Zitat
Aber das mache ich nicht deshalb, weil ich mir von ihr besonders hohen Profit verspreche, sondern weil sie mir signalisiert, dass ihr das eben hilft. Soweit ich auch das Gefühl habe, dass es ihr hilft ist für mich zweitrangig ob das nun innerhalb des Ordens ist oder nicht.


So sehe ich das auch. Solange jemand profitiert ist die Energie nicht verschwendet. Wenn du keine Rückmeldung bekommen würdest oder gar negatives Feedback zu deiner Unterstützung, so würdest du deine Zeit ja auch nicht weiter dort investieren.


„Wenn du das Fliegen einmal erlebt hast, wirst du für immer auf Erden wandeln, mit deinen Augen himmelwärts gerichtet. Denn dort bist du gewesen und dort wird es dich immer wieder hinziehen.“
- Leonardo da Vinci
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#28

RE: Einen Orden lokal ausbauen

in Diskussionen 22.12.2017 11:31
von Vrooktar • 1.743 Beiträge

Zitat von Auros Tyron im Beitrag #27
Das sind wirklich interessante Daten. Wenn der Orden lokal etabliert ist wird sich das sicher auch hier so einpendeln.


Wer weiß? Ob wir jemals aktiv versuchen werden uns lokal zu konzentrieren wird die Zeit zeigen. Unser bisheriger Weg hat sich über die letzten Jahre schon ganz gut gefestigt. Als Basis für die Zukunft macht das einen guten Eindruck.


Zitat
Wenn der Orden lokal die Installationsphase überwunden hat wird es auch gut laufen und die Leute bleiben von ganz allein am Ball.



Schwer zu sagen, sollten wir uns lokal stärker konzentrieren kommt das auch drauf an wie man es macht. Der bisherige Ansatz wäre strukturell keine große Änderung gewesen. Wir hätten das was wir ohnehin schon tun gemacht, nur eben mit durchschnittlich kürzeren Anfahrtswegen. Eine neue "Installationsphase" gäbe es dann gar nicht. Sicherlich könnte man es auch strukturell irgendwie trennen, aber ich glaube da wäre ich nicht als einziger skeptisch ob das überhaupt Sinn macht.
Ich weiß der OOH hat da irgendwie noch eigene Bezirksstrukturen gehabt mit Tribunen und so, aber ich hab das System nie richtig begriffen und habe irgendwie auch kein besonderes Faible für zusätzliche Verwaltungsstrukturen ^^


Zitat
Ich bin da in mehreren Gruppierungen schon drüber gestolpert. Natürlich hat die Führung keine Fehler gemacht, und wenn dann waren es immer Leute die die Gruppe verlassen haben. Menschen können echt eklig sein.



Sicherlich. Wir hatten mit sowas glücklicherweise seit vielen Jahren nicht mehr zu tun, aber in unserer Gründungsphase gab es ein paar Konflikte, die retrospektiv betrachtet schon recht seltsam anmuten. Eine Gründung ist da irgendwie auch immer kritisch, weil es noch niemanden gibt der sich verdient gemacht hat und die Struktur noch keinerlei Stabilität hat. Da hat man dann Leute in Machtpositionen, die den Laden vor ein paar Monaten noch gar nicht kannten und denen nie jemand vorgelebt hat wie man das am besten macht. Bei uns wurden dann Ehrenritter ernannt obwohl niemand die Qualifikation für den Rittertitel besaß, wir besagte Qualifikationen ja noch nicht einmal festgelegt hatten und eh man es sich versah träumte die Leitung des "Interimsrats" von Ratsposten auf Lebenszeit. Bin ich froh, dass wir das durch haben ^^


Lerne das unbeherrschbare zu vermeiden und das unvermeidbare zu beherrschen.

zuletzt bearbeitet 22.12.2017 11:32 | nach oben springen

#29

RE: Einen Orden lokal ausbauen

in Diskussionen 22.12.2017 14:50
von Ryia • 150 Beiträge

Zitat von Vrooktar im Beitrag #26
Ich denke Ryia nimmt es mir nicht übel, wenn ich sie als Beispiel für jemanden anbringe in den ich bislang überproportional viel Aufwand investiert habe. Aber das mache ich nicht deshalb, weil ich mir von ihr besonders hohen Profit verspreche, sondern weil sie mir signalisiert, dass ihr das eben hilft. Soweit ich auch das Gefühl habe, dass es ihr hilft ist für mich zweitrangig ob das nun innerhalb des Ordens ist oder nicht.


Nein, sie nimmt es dir nicht übel, aber sie würde sich wünschen, dass du ihr trotzdem zutraust "Profit" zu bringen (im Sinne von Engagement/Unterstützung für den Orden). Ansonsten wird sie jetzt aufhören in der 3. Person von sich zu schreiben (vll aber auch nicht, denn es ist überraschend lustig^^)


“The way I see it, every life is a pile of good things and bad things. The good things don’t always soften the bad things, but vice versa, the bad things don’t always spoil the good things and make them unimportant.” ~The 11th Doctor

zuletzt bearbeitet 22.12.2017 14:52 | nach oben springen

#30

RE: Einen Orden lokal ausbauen

in Diskussionen 22.12.2017 15:29
von Vrooktar • 1.743 Beiträge

Nur die Zeit wird zeigen, was du in den Orden einbringen möchtest. Wenn du auf lange Sicht deinen Platz hier findest freue ich mich, wenn du dich dagegen entscheidest ist das auch in Ordnung ^^
Mach dir da mal keine Gedanken wegen der Erwartungshaltung die ich haben könnte.


Lerne das unbeherrschbare zu vermeiden und das unvermeidbare zu beherrschen.

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#31

RE: Einen Orden lokal ausbauen

in Diskussionen 22.12.2017 16:17
von Ryia • 150 Beiträge

ok :)


“The way I see it, every life is a pile of good things and bad things. The good things don’t always soften the bad things, but vice versa, the bad things don’t always spoil the good things and make them unimportant.” ~The 11th Doctor

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#32

RE: Einen Orden lokal ausbauen

in Diskussionen 25.12.2017 21:38
von Akanah • 17 Beiträge

Wenn ich irgendwo Flyer verteilen würde bei so einen ungewöhnlichen Orden, würde ich es auf einem Mittelalterfest - oder Markt versuchen, weil dort die Wahrscheinlichkeit am Größten ist, dass der Flyer nicht gleich weggeworfen werden würde. Alles Mögliche an Inhalten sollte darauf nicht stehen. Wichtig ist die Internetadresse und die Kampf - oder Meditationstechniken die angeboten werden... nicht so stark darauf fokussiert, dass es ein Orden ist, denn sonst klingt das zu sehr nach Sekte. Ich bin im übrigen Grafikerin und könnte bei der Gestaltung dabei behilflich sein.

Grüße,
Akanah

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#33

RE: Einen Orden lokal ausbauen

in Diskussionen 25.12.2017 21:47
von Vrooktar • 1.743 Beiträge

Danke für das Angebot, das ist sehr nett von dir.
Ich würde aber nicht damit rechnen, dass du da bald einen Auftrag von uns bekommst, das alles ist im Augenblick eine eher hypothetische Überlegung. ^^

Mit den Mittelaltermärkten könntest du durchaus Recht haben. Dennoch habe ich aus den Gesprächen die ich bislang führen konnte oftmals das Gefühl gewonnen, dass die Fragen um die wir kreisen weitaus mehr Normalos beschäftigen als man so gemeinhin denkt.
Da darf man sich von seinen Vorurteilen über die "Normalos" auch nicht zu sehr einkreisen lassen denke ich.


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#34

RE: Einen Orden lokal ausbauen

in Diskussionen 25.12.2017 23:09
von Ryia • 150 Beiträge

Aber grundsätzlich finde ich die Idee interessant. Auf Mittelaltermärkten sind ja schon durchschnittlich eher alternative Leute mit alternativen Ideen. Die sind einem Jediorden gegenüber vll auch eher aufgeschlossen :)


“The way I see it, every life is a pile of good things and bad things. The good things don’t always soften the bad things, but vice versa, the bad things don’t always spoil the good things and make them unimportant.” ~The 11th Doctor

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#35

RE: Einen Orden lokal ausbauen

in Diskussionen 26.12.2017 15:15
von Auros Tyron • 12 Beiträge

Zitat von Ryia im Beitrag #34
Aber grundsätzlich finde ich die Idee interessant. Auf Mittelaltermärkten sind ja schon durchschnittlich eher alternative Leute mit alternativen Ideen. Die sind einem Jediorden gegenüber vll auch eher aufgeschlossen :)

Hmmm... also ich habe diese Leute als sehr gefestigt auf "ihrer Schiene" kennengelernt. Zunindest jene, welche sich intensiv dort tummeln.
Höhere Chancen sähe ich auf dem Uni Campus mit deinen Argumenten. ;)


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- Leonardo da Vinci
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