#1

Das Böse im Menschen

in Gott und die Welt 25.06.2016 21:04
von Galos • 8 Beiträge

Ich habe letztens ein Gespräch von Richard David Precht mit dem Anwalt und Autor Ferdinand von Schirach angehört, bei dem es um die Frage des Bösen im Menschen ging. Der zentrale Punkt war, ob es den bösen Menschen gibt oder nur den Menschen der Böses tut.
Eine sehr spannende und interessante Diskussion, an deren Schluss ich für mich selber zum Schluss kam, dass es nicht den bösen Menschen gibt, sondern nur den Menschen, der etwas Böses tut. Denn selbst Menschen, denen das Gefühl für Mitleid fehlt, sind nicht Böse. Es gibt dann Leute, die solche als krank oder abnormal bezeichnen. Das mag auch sein, aber solche Menschen sind nicht böse, sondern vollführen nur Taten, die wir als böse ansehen.
Denn man muss auch ganz klar anmerken, dass "böse" und "gut" Fragen der Definition sind, die in unserer Gesellschaft durch die Moral und Ethik, die wir leben und als solche verstehen, vorgegeben werden. Man müsste also korrekterweise sagen, dass es Menschen gibt, die Taten begehen, die unserer Meinung nach böse Taten sind.
Wie seht ihr das?


"Es ist besser ein Krieger im Garten zu sein, als ein Gärtner im Krieg"
nach oben springen

#2

RE: Das Böse im Menschen

in Gott und die Welt 25.06.2016 22:18
von Vrooktar • 1.541 Beiträge

Ich würde schon sagen, dass es böse Menschen gibt.
Menschen die bei klarem Verstand und absichtlich böses tun gibt es bedauerlicherweise durchaus und das würde mir persönlich für die Begrifflichkeit ausreichen.
Prinzipiell gebe ich dir recht, dass die Subjektivität einer äußeren Einschätzung nach trügerisch ist.
Aber wenn jemand schon nach seinem eigenen Verständnis etwas böses tut, die Boshaftigkeit also ausgemachtes Ziel ist, kann man das kaum mehr als Verteidigung vorbringen.


Lerne das unbeherrschbare zu vermeiden und das unvermeidbare zu beherrschen.

nach oben springen

#3

RE: Das Böse im Menschen

in Gott und die Welt 25.06.2016 22:36
von Galos • 8 Beiträge

Natürlich, aber man müsste auch hier grundsätzlich zwischen dauerhaft und begrenzt unterscheiden.
Wenn z.B. eine böse Tat vorsätzlich und aus Boshaftigkeit begangen wurde, der Mensch aber durchaus auch gute Taten vollbracht hat und vollbringt, ist er dann trotzdem böse? Oder ist der dann nur für einen Zeitraum böse?
Denn ich kann mich nicht wirklich damit anfreunden, dass es "manchmal-böse Menschen" oder umgekehrt "manchmal-gute Menschen" geben soll.
Wäre das andere, also eine klare Behauptung, dieser oder jener Mensch wäre ein böser bzw guter Mensch, nicht ein sehr subjektives Denken, welches stark an ein einfaches Schwarz-Weiß-Denken heranreicht? Und soetwas, also eine klare Linie, was böse und gut, was richtig und falsch ist, ist meiner Meinung nach nicht wünschenswert und findet wenig Akzeptanz bei weiterdenkenden Menschen.


"Es ist besser ein Krieger im Garten zu sein, als ein Gärtner im Krieg"
nach oben springen

#4

RE: Das Böse im Menschen

in Gott und die Welt 25.06.2016 22:45
von Ryia • 49 Beiträge

Also ich würde sagen, ein Mensch ist so lange böse wie er "böse denkt" und handelt. Ansonsten stellt sich doch die Frage, warum jemand dauerhaft gut oder böse sein soll? Es müsste dann ja entweder etwas schicksalshaftes/deterministisches sein, das quasi von Anfang an Menschen in gut und böse unterteilt oder es würde bestimmte Entscheidungen im Leben geben, die einen Menschen unausweichlich gut oder böse machen würden. Alles interessante Gedanken, aber ich für meinen Teil würde es wie anfangs erwähnt definieren.


nach oben springen

#5

RE: Das Böse im Menschen

in Gott und die Welt 28.06.2016 22:11
von Galos • 8 Beiträge

Ja, da müsste man einen eigenen Thread über das Schicksal aufmachen, wenn es den nicht schon gibt.
Genau, das finde ich wichtig und richtig, dass du das "böse denken" erwähnst. Denn so gebe ich dir recht und auch Vrootkar, die ihr beide sagt, man müsse das eben vorsätzlich getan haben, ergo vorher darüber nachdenken.
Aber psychisch sich von uns stark unterscheidene Menschen, die z.B. ein viel niedrigeres Mitleidsbewusstsein haben und sich nicht bewusst sind, dass ihre Taten von der Gesellschaft als böse angesehen werden kann ich nicht als böse Menschen bezeichenen. Oder sie sind sich bewusst, sehen sich selber aber nicht als böse. Ich würde dann sagen, dass dieser Mensch böses macht, aber nicht böse ist.


"Es ist besser ein Krieger im Garten zu sein, als ein Gärtner im Krieg"
nach oben springen

#6

RE: Das Böse im Menschen

in Gott und die Welt 28.06.2016 22:15
von Vrooktar • 1.541 Beiträge

"böse" ist im Regelfall eine moralische Einstufung.
Nur wenn man eine moralische Einstufung vornehmen will und einen moralischen Gültigkeitsbereich hat macht eine Einstufung überhaupt Sinn.
Ich denke nicht, dass man Dinge besser versteht wenn man sich entschieden hat, welche Etiketten man dran kleben will.
Dazu gehört mehr.


Lerne das unbeherrschbare zu vermeiden und das unvermeidbare zu beherrschen.

nach oben springen

#7

RE: Das Böse im Menschen

in Gott und die Welt 28.06.2016 23:06
von Ryia • 49 Beiträge

Zitat
Aber psychisch sich von uns stark unterscheidene Menschen, die z.B. ein viel niedrigeres Mitleidsbewusstsein haben und sich nicht bewusst sind, dass ihre Taten von der Gesellschaft als böse angesehen werden kann ich nicht als böse Menschen bezeichenen. Oder sie sind sich bewusst, sehen sich selber aber nicht als böse. Ich würde dann sagen, dass dieser Mensch böses macht, aber nicht böse ist.



Ich denke, um das näher zu definieren, muss man sich erst einmal fragen, wie sich das menschliche Gewissen entwickelt, also welche Faktoren wie viel Einfluss darauf haben. Selbst wenn es da sicher auch genetische Faktoren gibt (zum Beispiel die Ausprägung des Präfrontalen Cortex', der Einfluss auf die Affektivität des Menschen hat), sind es doch eher lebensgeschichtliche Zusammenhänge (Lebensraum, sozialer Kontext, kulturelle Einflüsse, Spiritualität, biographische Faktoren etc.), die eine in dieser Hinsicht prägende Wirkung haben und das sowohl inhaltlich als auch inwieweit das Gewissen Einfluss auf das tägliche Handeln des jeweiligen Menschen hat.

Ein anderer wichtiger Punkt wäre außerdem, was man überhaupt als "böse" definiert. Diese Einteilung hat ja viel mit dem jeweiligen Moralgedanken zu tun. Im Werterelativismus geht man davon aus, dass Werte (,die ja wichtiger Bestandteil der Moral sind) nicht allgemeingültig sind, sondern abhängig von Kultur und Zeitepoche variieren. Auffällig ist es aber dennoch, dass es ein paar Punkte zu geben scheint, die von nahezu allen Menschen als "moralisch richtig/falsch" anerkannt werden.


nach oben springen

#8

RE: Das Böse im Menschen

in Gott und die Welt 29.06.2016 03:10
von Galos • 8 Beiträge

Zitat von Vrooktar im Beitrag #6
"böse" ist im Regelfall eine moralische Einstufung.
Nur wenn man eine moralische Einstufung vornehmen will und einen moralischen Gültigkeitsbereich hat macht eine Einstufung überhaupt Sinn.
Ich denke nicht, dass man Dinge besser versteht wenn man sich entschieden hat, welche Etiketten man dran kleben will.
Dazu gehört mehr.

Genau, ich sage ja auch nicht, dass man die Dinge dass besser versteht. Aber wie sind denn die werte, Überzeugungen und Moralvorstellungen unserer Gesellschaft entstanden? Mit der Zeit. Weil sich herauskristallisiert hat, was eine Gruppe oder Gesellschaft voran bringt und was einen zurück wirft. Also wurde (vereinfacht gesagt) alles was förderlich ist/war als "Gut" und alles was zurück wirft als "Böse" betitelt. So hat sich die Moral über Jahrhunderte geändert und den zu der zeit angesagten Trends und Philosophien angepasst. Dass das nicht alle ins kleinste Detail verstehen oder akzeptieren wollen ist klar, auch wenn man diesem ein Etikett aufgeklebt wird. Allerdings kann dieses eine Richtlinie und Vorgabe sein, den Leuten zu helfen Sachen zu verstehen.


"Es ist besser ein Krieger im Garten zu sein, als ein Gärtner im Krieg"
nach oben springen

Legende - Initiant, Novize, Varlet, Ritter, Precept, Meister
Besucher
0 Mitglieder und 1 Gast sind Online

Wir begrüßen unser neuestes Mitglied: Cedric Moon
Forum Statistiken
Das Forum hat 425 Themen und 3598 Beiträge.