#1

Nachhaltigkeit

in Gott und die Welt 07.01.2018 19:54
von Ryia • 140 Beiträge

Ein Thema, das mich im Alltag schon seit langer Zeit beschäftigt... Gerade was Ernährung und Konsumartikel (v.a. Anziehsachen) angeht, würde ich gerne mehr auf Nachhaltigkeit (oder wie man das auch immer nennen mag) achten. Ich würde gerne Fairtrade Sachen kaufen, weil ich davon überzeugt bin, dass es nicht richtig sein kann, wenn Arbeitskräfte ausgebeutet und die Umwelt verschmutzt wird, nur um für die wohlhabeneren Staaten günstige Preise und so mehr Konsum zu ermöglichen. Andererseits denke ich, dass es weit mehr nützen würde, wenn sich da auf politischer/juristischer Ebene etwas ändern würde und ich habe auch einfach zu wenig Geld dafür oder bin besser gesagt nicht bereit, so große Anteile davon dafür zu investieren. Ich bin hin und her gerissen...

Bei Nahrungsmitteln ist es ganz ähnlich... Einerseits möchte ich am liebsten nur Sachen mit Bio-Siegel kaufen oder sogar Lebensmittel, die nach noch strengeren Auflagen verarbeitet werden, weil die zum Einen gesünder sind und zum Anderen "die richtigen" Händler unterstützen. Aber auch hier sprechen die gleichen Punkte dagegen. Mittlerweile habe ich für mich beschlossen, dass ich meinen persönlichen Schwerpunkt lieber auf den Lebensmittelbereich setzen möchte, aber es ist im Grunde ein Tropfen auf den heißen Stein...

Wie geht ihr damit um? Wie kann man möglichst effizient etwas in seinem persönlichen Wirkungskreis tun?


“The way I see it, every life is a pile of good things and bad things. The good things don’t always soften the bad things, but vice versa, the bad things don’t always spoil the good things and make them unimportant.” ~The 11th Doctor

zuletzt bearbeitet 07.01.2018 19:57 | nach oben springen

#2

RE: Nachhaltigkeit

in Gott und die Welt 07.01.2018 20:08
von Vrooktar • 1.702 Beiträge

Deine Motive sind natürlich lobenswert.
Einen gewissen Beitrag leistet das auch, aber es ist auch nicht so, dass ausgebeutete Arbeitnehmer darauf angewiesen wären um weniger ausgebeutet zu werden.
Vor gut über einem Jahr haben in Indien 150 Millionen Menschen erfolgreich unter anderem für bessere Löhne demonstriert.
Die Ursache für realen Fortschritt in den Arbeitsbedingungen dieser Menschen ist eher da zu suchen.


Lerne das unbeherrschbare zu vermeiden und das unvermeidbare zu beherrschen.

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#3

RE: Nachhaltigkeit

in Gott und die Welt 08.01.2018 19:06
von Ryia • 140 Beiträge

Mh selbst wenn es vermutlich stimmt, dass das der effektivste Weg ist, so kann man denke ich nicht davon ausgehen, dass für jede betroffene Menschengruppe die Möglichkeit besteht, sich auf diese Art und Weise zu organisieren. Es ist grundsätzlich sinnvoll, wenn (auch) wir, die ja am anderen Ende der Verbraucherkette sind, in irgendeiner Form aktiv werden, weil wir ja im Gegensatz zu den Betroffenen keine Repressalien welcher Art auch immer zu fürchten haben. Es kommt mir einfach falsch vor, das Thema mit einem "kann man nicht ändern" abzuhaken...


“The way I see it, every life is a pile of good things and bad things. The good things don’t always soften the bad things, but vice versa, the bad things don’t always spoil the good things and make them unimportant.” ~The 11th Doctor

zuletzt bearbeitet 08.01.2018 20:39 | nach oben springen

#4

RE: Nachhaltigkeit

in Gott und die Welt 08.01.2018 21:01
von Vrooktar • 1.702 Beiträge

Es ist nicht so dass wir daran nichts ändern können. Um Pessimismus geht es mir nicht, aber natürlich gibt es unterschiedliche Ansatzpunkte die unterschiedlich wirken.
Nehmen wir das Beispiel der Fair trade Kleidung. Ein Hersteller der sich dem verpflichtet würde ja nicht das dreifache an Lohnkosten in eine baufällige Schneiderei in Bangladesch stecken. Fair trade hin oder her es bleibt ein Wirtschaftsunternehmen. Wenn er schon dreifache Lohnkosten investieren muss um den "fair trade" Stempel zu bekommen dann wird er sich die bestqualifizierten Arbeitskräfte suchen die er für diesen höheren Preis eben bekommt. Ich bin da kein Experte, aber er könnte dann eben in Griechenland produzieren. Da hat er auch direkt Zugang zum EU-Binnenmarkt, ne bessere Infrastruktur und spart Transportkosten. So kann er die erzwungenen Ausgaben auf Lohnseite anderweitig wieder ein wenig kompensieren.

Wenn du jetzt "fair trade" Artikel kaufst und viele andere das auch tun hast du definitiv geholfen.
Du setzt den Wirtschaftsunternehmen ein Zeichen, dass Lohnkosten dir was wert sind und das verändert ihr Handeln zum besseren. Sicherlich nur in kleinen Schritten aber egal. Und indirekt stärkst du in dem Beispiel auch die Wirtschaft in Griechenland, was auch wieder positive Aspekte mit sich bringt.
Aber die Vorstellung, dass du damit dem Arbeiter in Bangladesch hilfst ist eben auch eher eine nette Illusion.
Er geht dann eben stattdessen in die Fabrik daneben wo er für den gleichen Gammellohn stattdessen alte Schiffe abwrackt, wofür es dummerweise keine "fair trade"-Plakette gibt.


Lerne das unbeherrschbare zu vermeiden und das unvermeidbare zu beherrschen.

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#5

RE: Nachhaltigkeit

in Gott und die Welt 09.01.2018 07:35
von Ryia • 140 Beiträge

Ok. Aber da kommt dann wieder das Kostenproblem dazu...

Was wäre denn, wenn es verbindliche Gesetze gäbe, nach denen quasi nur noch nach Fairtrade-Maßstäben produziert werden dürfte und die Arbeit aus bestimmten Ländern zudem subventioniert werden würde? Rein theoretisch wäre damit das Problem gelöst, oder nicht?


“The way I see it, every life is a pile of good things and bad things. The good things don’t always soften the bad things, but vice versa, the bad things don’t always spoil the good things and make them unimportant.” ~The 11th Doctor

zuletzt bearbeitet 09.01.2018 07:35 | nach oben springen

#6

RE: Nachhaltigkeit

in Gott und die Welt 09.01.2018 08:27
von Vrooktar • 1.702 Beiträge

Das hängt alles von den Details ab.
Man kann mit 2 Gesetzen nur schwer einen jahrzehntelangen Arbeitskampf überspringen.
Zumal man solche Gesetze auch erstmal auf den Weg bringen müsste was wohl kaum passieren wird.
Im Laufe der Zeit steigen die Ansprüche derer die ausgebeutet werden. Das ist der Treibstoff ihrer Lebensverbesserungen.
Bei uns ist das nicht anders. Nur dass hier die Verbesserung auf einem anderen Niveau stattfindet.
Zu Zeiten unserer Urgroßeltern waren Wochen mit 60 Arbeitsstunden die Norm. Zu Zeiten meiner Urgroßeltern eher 70. Heute kämpft die IG Metall um eine 28h Woche wenn Familienmitglieder zu betreuen sind.


Lerne das unbeherrschbare zu vermeiden und das unvermeidbare zu beherrschen.

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