#1

Studiengebühren

in Gott und die Welt 02.02.2013 14:34
von Vrooktar • 1.596 Beiträge

Zitat von Orsyn:

Zitat
Mit ein Grund, warum ich über Studiengebühren lache - in genügend wichtigen anderen Berufszweigen darf man seine Ausbildung u.U. komplett selbst zahlen und wird nie wie ein Akademiker verdienen.




Das klingt für mich als würdest du Studiengebühren befürworten, weil andere ja auch Gebühren zahlen müssen.

Eine solche Begründung ist für mich nicht sehr überzeugend.
Ich hoffe mal stark die Juden lachen nicht über den Holocaust in Uganda, nur weil sie selbst einen schlimmeren erlebt haben.
Ich hoffe das wird nicht falsch verstanden, sondern macht wie geplant klar wie ich den von Orsyn erbrachten Ansatz verstehe.


Lerne das unbeherrschbare zu vermeiden und das unvermeidbare zu beherrschen.

zuletzt bearbeitet 02.02.2013 14:35 | nach oben springen

#2

RE: Studiengebühren

in Gott und die Welt 02.02.2013 17:27
von Orsyn (gelöscht)
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Nein, so ist es nicht gemeint.

Ich sehe es so, dass generelle Studiengebühr falsch sind. Lehre, Ausbildung und Studium müssten kostenlos sein.
Gebühren für Dauerstudenten oder jene, welche die Regelstudienzeit deutlich überschreiten, hätten aber eine Berechtigung.
Und ich finde Fokus auf diese Gebühren, die vergleichsweise gering sind und mit durchaus geringem Aufwand über einen 400-Euro-Job (450-Euro-Job? Da war doch irgendeine Anpassung) finanziert werden könnten, unpassend. Jedenfalls solange es (Aus-)Bildungsbereiche gibt, die in einem Jahr höhere Kosten verursachen als die Gebühren eines ganzen Studiums zusammen.

Meiner Meinung nach wird das Thema hochstilisiert und dramatisiert. Es ist keine so große Hürde, wie man vielfach liest, und man verschwendet viel Energie an dieses Thema, obwohl überall wichtigere Inhalte zu klären wären.
Letztlich wird überall wegen Geldes diskutiert und protestiert, als Studenten wollen sie nichts bezahlen, als Akademiker wollen sie mehr verdienen - während gleichzeitig immer mehr Aufstocker zu verzeichnen sind, die trotz harter Arbeit in ihrem Job nicht genug verdienen, um ohne staatliche Hilfe über die Runden zu kommen.

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#3

RE: Studiengebühren

in Gott und die Welt 02.02.2013 19:07
von Vrooktar • 1.596 Beiträge

Es gibt auch genug akademische Aufstocker.
Die Zeiten in denen Akademiker zwangsweise gut verdient haben sind, wenn es sie je gegeben hat, lange vorbei.
Gleichzeitig kommen so ein paar Spaßvögel die sich wünschen, dass ein Student zu Beginn seines Studiums erstmal 60.000 € Schulden aufnimmt, was nichts anderes als der gesellschaftliche Suizid ist.
Ich meine das alles sind sehr tiefgreifende Gesellschaftsprobleme.
Aber viele Ansätz von denen ich höre scheinen mir sehr kurzsichig und kaum einen Schritt weiter gedacht.


Lerne das unbeherrschbare zu vermeiden und das unvermeidbare zu beherrschen.

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#4

RE: Studiengebühren

in Gott und die Welt 28.03.2013 11:46
von Jondalar (gelöscht)
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Um hier zu einer Antwort zu kommen muss ich wieder ausholen - sorry dafür, aber ich sehe Sachverhalte immer gerne in ihrer Komplexität, nicht extrahiert und/oder isoliert.

In unserer Gesellschaft stimmen wesentliche, grundsätzliche Parameter nicht. Die Menschheit ist sich selber Feind geworden und baut das augenscheinlich auch immer weiter aus.

Die grundsätzliche Wurzel dieses Übels sehe ich in zwei Parametern - der Bildung und des sozialen Friedens.

Über den sozialen Frieden schreibe ich hier nicht, das Thema kommt sicher auch noch auf ;)

Bleiben wir bei der Bildung. Ich möchte nicht pauschalisieren, aber es gibt Studien die eindeutig belegen, dass verschiedene Sichtweisen wie Rechtsextremismus, Egoismus, und weitere gehäuft in sogenannten bildungsfernen Schichten auftreten. Alleine darum müsste es in unser aller Interesse sein, Bildung kostenlos und für jedermann bereit zu stellen. Ich kenne keinen Fall, bei dem Bildung geschadet hätte, daher würde ich auch dazu tendieren, dass Zweit- und Drittstudien frei sind von irgendwelchen Gebühren. In einem "normalen" Umfang würde ich auch die Mittel wie Bücher, Papier und Stifte usw kostenlos bereit stellen, damit Menschen aus ärmeren Verhältnissen nicht von vorne herein ausgeschlossen werden.

Ein Studium setzt ein gewisses Interesse und ebenso ein gewisses Mass an Eigenverantwortung und Disziplin voraus - obwohl es sicherlich auch Ausnahmen gibt. Es würden sich also nicht generell alle nur noch in Unis einschreiben um ein schönes Leben zu haben. Das ist die gleiche urbane Legende wie die endlose, sinnlose Diskussion um ein bedingunsloses Grundeinkommen. Ich selbst und viele andere Leute die ich kenne, würden weiter arbeiten und produktiv etwas leisten. Es mag so Leute geben, aber ich kenne niemanden, der mit einem BGE nur noch faulenzen würde, dazu ist der Mensch nicht geschaffen.

Ebenso ist es mit dem Studium. Ich hätte studieren können, Geld und Verstand wäre vorhanden gewesen, aber ich hatte kein Interesse. Gerade in Deutschland ist es aber der Fall, dass wir keinerlei erwähnenswerte Rohstoffvorkommen oder andere Vorteile hätten. Deutschland war einmal das Land der Dichter und Denker. Zuerst fielen die Dichter weg, jetzt werden auch die Denker immer rarer - wohin sollte das führen wenn man jetzt am völlig falschen Ende spart?

Die Chance die Deutschland in Zukunft auf dem Weltmarkt hat, liegt in Innovation, Technik und Wissenschaft - daher keine Studiengebühren ohne wenn und aber.

Liebe Grüße

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#5

RE: Studiengebühren

in Gott und die Welt 28.03.2013 12:05
von Vrooktar • 1.596 Beiträge

Stimme dir zu.
Aus der Paranoia heraus mit einer Milliarde Inder und Chinesen konkurrieren zu müssen (warum überhaupt?) haben wir in der Entwicklung billiger Lohnsklaven aufgeholt und dadurch Innovation und Qualität hintenan gestellt.
Mal sehen, noch könnte ja jemand bemerken, dass das Quark ist, bevor die Entwicklung schwer umkehrbar wird.

Momentan darf man ja auch nicht vergessen, dass Leute die keine Studiengebühren bezahlen noch lange nicht faulenzen können.
Die müssen ja trotzdem noch von irgendwas leben.
Momentan besteht ja der ulkige Umstand, dass Studenten selbst mit Bafög kaum Aussicht drauf haben ohne parallele Arbeitstätigkeit über die Runden zu kommen.


Lerne das unbeherrschbare zu vermeiden und das unvermeidbare zu beherrschen.

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#6

RE: Studiengebühren

in Gott und die Welt 28.03.2013 12:09
von Jondalar (gelöscht)
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Darum lasse ich auch immer wieder mal das bGE einfliessen ;)

Wie sehr könnte sich da ein Student ernsthaft auf seine Prüfungen konzentrieren und den Verlust an Vorsprung in Wissenschaft und Technik wieder aufholen. Deutschland ist eines der wenigen Länder, die sich ein bGE sogar leisten könnten, wenn wir denn wollten :(

Gerade die Qualität - geistig und materiell - war es doch, die uns in den Nachkriegsjahren diesen renommierten Ruf eingebracht haben - ich frage mich, warum wir das absichtlich zerstören.

Liebe Grüße

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#7

RE: Studiengebühren

in Gott und die Welt 28.03.2013 12:21
von Vrooktar • 1.596 Beiträge

Wir könnten uns das sogar gut leisten.
Aber da beisst man argumentativ auf Granit.

Man hat Angst vor Veränderungen.
Das jetzige System hat zwar gravierende Sollbruchstellen, aber wie sagte Pispers: "Der Deutsche geht um den Block, tritt in einen Scheisshaufen und beschwert sich dann eine Runde lautstark, dass es so furchtbar stinkt, tritt dann auf der gleichen Route bei der nächsten Runde aber wieder in den gleichen Haufen. Schlägt man ihm nun vor einfach einen Bogen um den Haufen zu machen antwortet er entrüstet: "Keine Experimente!""

Es liegt glaube ich auch daran, dass sich unsere Ökonomie ganz gut selbst erklärt.
Das hat zwar keinen realen Bezug mehr und dreht sich mit seinen Beweisführungen nur noch im Kreis, aber die meisten die damit aufgewachsen sind haben eben den Eindruck, dass die Thematik gut verstanden wird.


Lerne das unbeherrschbare zu vermeiden und das unvermeidbare zu beherrschen.

zuletzt bearbeitet 28.03.2013 12:22 | nach oben springen

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